E-Lkw in Rumänien: Hochschulstudie zeigt Potenzial für den Fernverkehr

E-Lkw in Rumänien: Hochschulstudie zeigt Potenzial für den Fernverkehr

Elektro-Lkw im Fernverkehr: Studie untersucht Potenzial für den Einsatz in Rumänien

Wie lassen sich Elektro-Lkw auch im internationalen Fernverkehr wirtschaftlich einsetzen? Dieser Frage sind vier Studierende der Hochschule Heilbronn im Rahmen einer gemeinsamen Projektstudie mit Alpensped nachgegangen. Im Fokus standen mögliche Einsatzszenarien für E-Lkw in Rumänien – von der Routenplanung über die Ladeinfrastruktur bis hin zu Fördermöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit.

Die Projektstudie untersuchte insbesondere Transportrelationen mit Streckenlängen von rund 400 bis 700 Kilometern. Als Referenzfahrzeug diente der MAN eTGX. Ziel war es, die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit elektrischer Lkw im Fernverkehr zu bewerten und daraus mögliche nächste Schritte für Transportpartner abzuleiten.

Ganzheitliche Analyse statt reiner Reichweitenbetrachtung

Ob sich ein Elektro-Lkw wirtschaftlich einsetzen lässt, hängt von deutlich mehr Faktoren ab als von seiner Reichweite. Deshalb betrachteten die Studierenden die gesamte Umsetzungskette: Routen und Energiebedarf, Ladeinfrastruktur und mögliche Installationspartner, Förderprogramme, Investitions- und Betriebskosten sowie eine mögliche langfristige Flottenstrategie.

Gerade für kleinere und mittelständische Transportunternehmen sind hohe Anfangsinvestitionen und eine noch nicht flächendeckend verfügbare Ladeinfrastruktur wesentliche Herausforderungen. Auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurden deshalb in der Studie berücksichtigt.

Eigene Ladeinfrastruktur als wichtiger Faktor

Ein zentrales Ergebnis der Modellrechnung: Die Art des Ladens hat erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Elektro-Lkw.

Bei einer angenommenen Jahresfahrleistung von 50.000 Kilometern errechnete die Projektgruppe für einen Diesel-Lkw jährliche Kraftstoffkosten von 29.045 Euro. Für den MAN eTGX wurden bei einem angenommenen Strompreis von 0,15 Euro pro Kilowattstunde an einer eigenen Ladestation Energiekosten von 8.250 Euro angesetzt. Daraus ergibt sich in der Modellrechnung eine Differenz von 20.795 Euro pro Jahr bei den reinen Energiekosten.

Deutlich anders fällt die Berechnung bei der Nutzung öffentlicher Schnellladeinfrastruktur aus. Hier wurde mit rund 0,50 Euro pro Kilowattstunde gerechnet. Bei 55.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch würden die Stromkosten damit auf rund 27.500 Euro steigen. Die Studie kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass eine eigene Ladeinfrastruktur ein wesentlicher Faktor für einen wirtschaftlichen E-Lkw-Betrieb sein kann.

Fördermöglichkeiten können den Umstieg erleichtern

Neben den laufenden Betriebskosten beschäftigte sich die Projektgruppe intensiv mit möglichen Förderprogrammen in Rumänien und auf EU-Ebene.

Untersucht wurden unter anderem Fördermöglichkeiten für emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge sowie Programme zum Aufbau von Ladeinfrastruktur. Je nach Programm und konkreter Ausgestaltung können sowohl Fahrzeugmehrkosten als auch Investitionen in Ladepunkte gefördert werden.

Welchen Einfluss diese Förderung haben kann, zeigt die Investitionsrechnung der Studierenden: Unter den angenommenen Förderbedingungen errechnet die Studie für einen MAN eTGX mit eigener Ladeinfrastruktur eine Amortisationszeit von rund 3,7 Jahren. Ohne eigene Ladeinfrastruktur steigt sie im Modell auf mehr als 15 Jahre.

Dabei handelt es sich ausdrücklich um Modellrechnungen auf Basis der in der Studie getroffenen Annahmen. Strompreise, Förderquoten, Anschaffungskosten, Laufleistung und tatsächliche Einsatzbedingungen können die Wirtschaftlichkeit erheblich beeinflussen.

Pilotprojekt als möglicher nächster Schritt

Aus den Ergebnissen leiten die Studierenden eine schrittweise Vorgehensweise ab. Als nächster sinnvoller Schritt wird ein Pilotprojekt mit einem Elektro-Lkw empfohlen. Dabei könnten zunächst Erfahrungen im realen Transportbetrieb gesammelt und ausgewertet werden, bevor weitere Fahrzeuge oder Relationen elektrifiziert werden.

Ein mögliches Einsatzgebiet sehen die Studierenden unter anderem im regionalen Vorlauf in Rumänien. Auf dieser Basis könnten Erkenntnisse zu Energieverbrauch, Ladezeiten, Kosten und operativen Abläufen gesammelt werden.

Antriebswende gemeinsam gestalten

Für Alpensped ist die Beschäftigung mit alternativen Antrieben ein wichtiger Bestandteil einer langfristig nachhaltigeren Logistik. Als Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2026 verfolgen wir mit unserem N3-Nachhaltigkeitskonzept einen Ansatz, der ökologische, ökonomische und soziale Aspekte miteinander verbindet.

Die Projektstudie mit der Hochschule Heilbronn zeigt zugleich, dass die Transformation des Straßengüterverkehrs nur gemeinsam gelingen kann. Fahrzeugtechnologie allein reicht nicht aus: Wirtschaftlichkeit, Ladeinfrastruktur, Förderbedingungen und die Anforderungen der Transportunternehmer müssen zusammen betrachtet werden.

Genau hier setzt die Zusammenarbeit mit der Hochschule an: wissenschaftliche Analyse mit konkreten Fragestellungen aus der Transportpraxis zu verbinden und damit eine fundierte Grundlage für die nächsten Schritte auf dem Weg zu emissionsärmeren Transporten zu schaffen.

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